
Wenn der Namenlose nach Myrtana zurückkehrt, dann erscheint mit ihm der dritte Teil einer Serie, die mit den Vorgängern die wohl erfolgreichste deutsche Rollenspielserie aller Zeiten ins Leben rief. Die Erwartungen waren groß, doch glücklicherweise wurden sie zum größten Teil auch erfüllt.
Der Krieg gegen die Orks nahm während der Abwesenheit des Helden keine glückliche Wendung. Die Menschen wurden besiegt und versklavt. Städte stehen unter der Aufsicht der Orks, Söldner arbeiten für sie, Rebellen versuchen, das Land zurückzuerobern und die geheimnisvollen Assassinen verfolgen ganz eigene Pläne. Anders als in den Vorgängern entscheidet man sich aber nicht fest für eine der Parteien, stattdessen ändert man durch das Absolvieren von Aufträgen seinen Ruf. Abhängig davon verändern sich die Reaktionen auf einen, wodurch man wiederum weitere Quests erhält - oder eben auch nicht.
Obwohl das Kampfsystem immer noch sehr actionorientiert ist, wurde es nun deutlich einsteigerfreundlicher gehalten. Auch mit der Maus steuert es sich nun angenehm und oftmals reicht es schon, wild auf der Maustaste herumzudrücken, um auch stärkere Gegner zu besiegen. Diese schaffen es im Gegenzug aber auch oft, einen in die Mangel zu nehmen, so dass man kaum Möglichkeit zur Gegenwehr hat. Somit ist das Kampfsystem steuerungstechnisch ein Fortschritt, im Ablauf aber dafür weniger fordernd, besonders nicht für Fernkämpfer.
Durch erfolgreich gelungene Schlachten erhält man wie gehabt Erfahrungspunkte. Diese lassen sich absolut frei auf eine Vielzahl von Fähigkeiten verteilen. Darüber hinaus gibt es auch noch Spezialtalente, so dass sich jeder Spieler einen ganz individuellen Charakter zusammenbasteln kann. Da auch Waffen spezielle Anforderungen an einen stellen, ist man stets motiviert, aufzuleveln. Alles, was man unterwegs einsammelt, wird jetzt in einem wesentlich übersichtlicheren Inventar dargestellt.
Ansonsten hält einen die einnehmende Atmosphäre gefangen. Myrtana ist ein rauer Ort, die Sprüche derbe, die Städte nicht so sauber wie in der Rollenspiel-Konkurrenz mit ihren Elfen und glänzenden Rittern. Überall gibt es etwas zu entdecken, es warten über hundert Quests, zahllose Ortschaften, Höhlensysteme und verschiedene Umgebungen. Das dritte Gothic ist weitaus größer als seine Vorgänger, wodurch man noch eher den roten Faden verliert. Die Story tritt erst nach einiger Zeit wieder in den Vordergrund, doch dann wird es auch recht spannend.
Optisch ist Gothic 3 eine Augenweide. Die Wälder suchen ihresgleichen, die Figuren sind liebevoll gestaltet und die Effekte absolut auf der Höhe der Zeit. Das alles fordert seinen Tribut, nur ein sehr starker Rechner wird die volle Pracht darstellen können. Besonders schön ist auch der von einem Orchester eingespielte Soundtrack, der selbst die bereits sehr guten Vorgänger in den Schatten stellt. Weniger schön: Das Spiel wirkt noch etwas unausgereift. Gegner bleiben mitten in der Umgebung hängen, Angriffe finden ohne erkennbaren Grund statt oder werden unterlassen. Hier geschieht allerdings schon einiges seitens der Entwickler.